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Russische Spezialeinheit für Olympische Spiele in Sotschi

Um die Sicherheit bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi zu gewährleisten hat Russlands Präsident Wladimir Putin die Aufstellung einer Spezialeinheit beschlossen. Vorher hat bereits der Sicherheitsstaatssekretär, Nikolai Patruschew, nach Angaben von RIA Novosti die Bildung einer Einheit für Spezialeinsätze angekündigt. Nach seinen Angaben sollen alle zu bildenden Einheiten bei Anti-Terror-Einsätzen, Großveranstaltungen und bei der Unterstützung der Polizei in Krisenlagen eingesetzt werden können.

Nähere Angaben über den Umfang, die Indienststellung, die Abgrenzung zu bereits bestehenden Einheiten, die Ausrüstung oder die finanzielle Ausstattung wurden nicht gemacht. Experten vermuten dahinter, so die Meldung von RIA Novosti weiter, die instabile Lage im Kaukasus in Verbindung mit den bevorstehenden Olympischen Spielen in Sotschi am Schwarzen Meer.

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB kooperiert zudem bei der Vorbereitung der Spiele mit ausländischen, nicht näher genannten Geheimdiensten, um die Sicherheit der Großveranstaltung zu gewährleisten. Der Veranstaltungsort der Spiele liegt in der Nähe der süd-russischen Konflikt- und Krisengebiete Dagestan, Tschetschenien und Inguschetien. Abchasien, welches sich 2008 von Georgien lossagte (Georgien-Krieg), liegt ebenfalls in unmittelbarer Nachbarschaft.

Sicherheitsübungen zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2014 fanden bereits im Jahre 2012 in der Region statt, an der verschiedene Behörden und bewaffnete Kräfte, die nicht näher genannt wurden, teilnahmen.

Olympische Spiele boten in der Vergangenheit oft den Anlass für die Aufstellung von Spezialeinheiten der Polizei:

  • die GSG 9 wurde in der Bundesrepublik nach der Geiselnahme bei den Spielen in München 1972 aufgestellt;
  • vor den Olympischen Spielen 1980 in Moskau kam es zur Aufstellung einer Sondereinsatzkompanie in der damaligen Sowjetunion, welche die Sicherheit der Großveranstaltung gewährleisten sollte; später wurde daraus die OMON-Einheit des Innenministeriums;
  • das Hostage-Rescue-Team der US-Bundespolizei FBI wurde in den USA noch vor den Spielen 1984 in Los Angeles aufgestellt, um im Rahmen von Anti-Terror-Einsätzen und weiteren Großlagen im gesamten Inland eingesetzt werden zu können.

Bei den letzten Spielen in London im Jahre 2012 bereiteten sich Spezialkräfte der Polizei und des Militärs auf jegliche Szenarien vor. Bei einer dreitägigen Übung 2011 trainierte der britische SAS zusammen mit Polizeikräften auf dem Gelände des olympischen Dorfes; bei dieser Übung verschoss man nach Zeitungsberichten auch scharfe Munition. Mit dieser einsatznahen Übung und einem weiteren Trainingsszenario einer Geiselnahme haben sich die britischen Sicherheitskräfte auf ein sogenanntes „München-Szenario“ vorbereitet, also eine Geiselnahme mehrerer Personen durch Terroristen.

Die Sicherheitsbehörden haben sich damals laut einem Bericht der britischen Zeitung „London Evening Standard“ ebenfalls auf ein weit schlimmeres Szenario vorbereitet: einen Anschlag im „Mumbai-style“. Der Begriff spielt auf die Anschläge von 2008 im indischen Mumbai an. Damals griffen 10 islamistische Attentäter die indische Metropole an; manche kämpften drei Tage gegen die Sicherheitskräfte. Die Terroristen hatten die Angriffe generalstabsmäßig geplant, waren entschlossen, bis zum Tod zu kämpfen und sie griffen nur ‚weiche Ziele‘ (hier ein weiteres Beispiel) an, also ungeschützte, zivile Ziele wie öffentliche Plätze, Gebäude und Einrichtungen, wo sich in der Regel viele nicht zu schützende Menschen aufhalten. Die Attentäter gingen auch – anders als bei einer ‚klassischen‘ Geiselnahme, die an einem zentralen Ort stattfindet (wie in München 1972) – dezentral vor, um durch gleichzeitige Attacken an verschiedenen Orten (Übersicht) in der Großstadt maximale Verwirrung zu stiften und größtmöglichen Schaden anzurichten. Damals starben rund 170 Menschen.

Gegen einen möglichen „Mumbai-style“-Angriff in London wollte im letzten Jahr der britische SAS US-Helikopter des Typs MH-6M „Little Bird“ einsetzen. Dieser Typ wird von den US-Spezialkräften als ein Verbringungsmittel verwendet. Im Gegensatz zu anderen Hubschraubern hätten diese (auch „Killer Egg“ genannten) Hubschrauber – neben bereitstehenden Schnellbooten für Einsätze auf den Wasserstraßen – auf dem riesigen Londoner Stadtgebiet bzw. in den Straßenschluchten die Beweglichkeit und Schnelligkeit der Spezialkräfte im Falle eines solchen Angriffes erhöht.

Wie ernst die Bedrohung für die kommenden Winterspiele ist, hat sich daran gezeigt, dass russische Sicherheitsbehörden nach eigenen Angaben bereits im letzten Jahr die Vorbereitungen eines geplanten Terrorangriffs in Sotschi vereitelt haben.

 

In der nächsten Ausgabe der „Kommando – International Special Operations Magazine“ Nr. 3/2013 findet sich ein Hintergrundbericht über eine russische Spezialeinheit.