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Kampfschwimmer, Kampftaucher und maritime Spezialoperationen: Gegen Schleuser, Piraten und Terroristen

Die Bundeswehr wird sich im Rahmen der EU-Operation EUNAVFOR MED an der Bekämpfung von illegaler Schleuserkriminalität auf hoher See im südlichen und zentralen Mittelmeer mit bis zu 950 Soldaten beteiligen. Das Bundeskabinett hat dies in der vergangenen Woche beschlossen, der Bundestag muss dem noch zustimmen.
Die Bundeswehrkräfte werden dann voraussichtlich ab Oktober im Seegebiet – für die 2. Phase der EU-Operation – südlich von Sizilien und vor den Küsten Libyens und Tunesiens die Aufgaben bzw. Befugnisse haben,
– Informationen über die Schleuser zu sammeln,
– verdächtige Schiffe anhalten, sie durchsuchen und beschlagnahmen,
– die Personendaten der Schmuggler und Schleuser zwecks Identifizierung aufzunehmen.

Angehörige des Special Boat Teams 12, sogenannte Special Warfare Combatant-craft Crewmen, aus dem kalifornischen Coronado am 21. Mai bei einer Übung mit Piloten des 4. Bataillons des 160. Special Operations Aviation Regiment von der Joint Base Lewis-McChord im Bundesstaat Washington bei einer Lufttransport-Übung auf dem Moses Lake in Washington. Bei einer solchen MEATS-Übung (Maritime External Air Transportation System) werden Wasserfahrzeuge von einem bestimmten Punkt an Land oder auf Gewässern mit einem MH-47G Chinook zu einem anderen Punkt transportiert. Dabei haken die Soldaten des Special Boat Teams das Wasserfahrzeug am Helikopter ein und klettern eine Sturmleiter zum Hubschrauber hoch. Am Absetzungspunkt benutzen sie dann das Fast Rope-Verfahren, um wieder in Boot zu kommen, bevor die Hubschrauberbesatzung das Kabel löst. Bild: U.S. Army/Sgt. Christopher Prows, 5th Mobile Public Affairs Detachment

Angehörige des Special Boat Teams 12, sogenannte Special Warfare Combatant-craft Crewmen, aus dem kalifornischen Coronado am 21. Mai bei einer Übung mit Piloten des 4. Bataillons des 160. Special Operations Aviation Regiment von der Joint Base Lewis-McChord im Bundesstaat Washington bei einer Lufttransport-Übung auf dem Moses Lake in Washington. Bei einer solchen MEATS-Übung (Maritime External Air Transportation System) werden Wasserfahrzeuge von einem bestimmten Punkt an Land oder auf Gewässern mit einem MH-47G Chinook zu einem anderen Punkt transportiert. Dabei haken die Soldaten des Special Boat Teams das Wasserfahrzeug am Helikopter ein und klettern eine Sturmleiter zum Hubschrauber hoch. Am Absetzungspunkt benutzen sie dann das Fast Rope-Verfahren, um wieder in Boot zu kommen, bevor die Hubschrauberbesatzung das Kabel löst. Bild: U.S. Army/Sgt. Christopher Prows, 5th Mobile Public Affairs Detachment

Zu Wasser! Zu Lande? Kampf gegen Schleuser im Mittelmeer

Fast alle Boote mit Migranten, die nach Europa wollen, starten von der libyschen Küste. Das Ziel des bewaffneten Einsatzes der Bundeswehr besteht darin, das bisher sehr erfolgreiche Geschäftsmodell der Schlepper zu zerstören. Der Einsatz von Schusswaffen ist laut Kabinettsbeschluss erlaubt. Bisher sind bis zu 350 Bundeswehr-Soldaten auf der Fregatte „Schleswig-Holstein“ und dem Tender „Werra“ im Einsatz. In einer weitergehenden, dritten Phase des Einsatzes sollen alle notwendigen Maßnahmen getroffen werden dürfen, um die Boote und die Einrichtungen auch an Land zu zerstören. Nach Bundeswehr-Angaben kommen bei der EU-Operation neben Überwassereinheiten auch U-Boote, Flugzeuge, Helikopter und Drohnen zum Einsatz.
Für die mit dem Mandat einhergehenden Aufgaben benötigt das Einsatzkontingent aller Voraussicht nach Spezialeinsatz- bzw. Spezialkräfte. Welche Kräfte des Seebataillons oder des Kommandos Spezialkräfte Marine (KSM) an dem Einsatz teilnehmen ist noch nicht mitgeteilt worden.
Für angekündigte bzw. offene Durchsuchungsmaßnahmen von Schiffen sind die Boarding-Kräfte geeignet. Das Video über die Ausbildung von Boarding-Kräften bei der Bundeswehr gibt einen Eindruck über mögliche Einsatzszenarien und Abläufe.

Allerdings stellt sich die Frage, wie bei überfüllten Flüchtlingsbooten diese Maßnahmen sinnvoll durchgeführt werden können. Über Boarding-Übungen und Einsätze berichtete K-ISOM hier und hier.

Das australische Special Air Service Regiment (SASR) zeigt seine Fähigkeiten bei maritimen Operationen in der Nähe von Perth. Im Vordergrund ist Captain Harry Wales zu sehen, besser bekannt unter seiner offiziellen Bezeichnung „His Royal Highness Prince Henry of Wales“. Prinz Harry hat in Australien verschiedene Tauch- und Waffentechniken des SASR kennengelernt. Bild: WO2 Neil Ruskin/1st Joint Public Affairs Unit. Copyright: Commonwealth of Australia The SASR is tasked to provide special operations capabilities in support of the Australian Defence Force. This includes providing unique capabilities to support sensitive strategic operations, special recovery operations, training assistance, special reconnaissance and precision strike and direct action. *** Local Caption *** His Royal Highness Prince Henry of Wales – or Captain Harry Wales – as he is known in the British Army is undertaking a short duration attachment with the Australian Army. During his attachment with the Australian Army, Captain Wales will be working and living alongside Army members in various units and regiments. He is expected to spend time at Army Barracks in Darwin, Perth and Sydney.

Das australische Special Air Service Regiment (SASR) zeigt seine Fähigkeiten bei maritimen Operationen in der Nähe von Perth. Im Vordergrund ist Captain Harry Wales zu sehen, besser bekannt unter seiner offiziellen Bezeichnung „His Royal Highness Prince Henry of Wales“. Prinz Harry hat in Australien verschiedene Tauch- und Waffentechniken des SASR kennengelernt. Bild: WO2 Neil Ruskin/1st Joint Public Affairs Unit. Copyright: Commonwealth of Australia

Bei möglichen verdeckten Einsätzen gegen Boote bzw. Schiffe, d.h. deren Inbesitznahme oder Zerstörung sowie potenzielle Direct Action-Operationen gegen Objekte der organisierten Schleuserbanden in Küstennähe wären maritime, triphibisch ausgebildete Spezialkräfte wie die deutschen Kampfschwimmer mit ihren Fähigkeiten der Unterwasserannäherung oder Over-the-beach (OTB)-Anlandungen am besten geeignet. Einige Einsatztaktiken sind in der folgenden Video-Dokumentation zu sehen. Allerdings ist der in der Reportage genannte Einheitsname „SEK-M“ seit dem Frühjahr 2014 wegen der Neuaufstellung eines Verbandes nicht mehr aktuell, wie K-ISOM hier berichtete.

Aktueller und mit interessanten Überwasser- und Unterwasseraufnahmen ist eine ARD-Reportage, die hier in der Mediathek zu finden ist.
Die deutschen Kampfschwimmer sollen auch bei der Kritik am Standardgewehr G36 eine Rolle gespielt haben, wie K-ISOM in dieser Meldung berichtete.

Royal Marines stürmen den Strand als Teil einer Publikumsvorführung beim Bournemouth Air Festival 2015. Bild: POA(Phot) Paul A’Barrow. Bildlizenz

Royal Marines stürmen den Strand als Teil einer Publikumsvorführung beim Bournemouth Air Festival 2015. Bild: POA(Phot) Paul A’Barrow. Bildlizenz

Jagdkommando: Auch Kampftaucher im Binnenstaat

Spezialkräfte für den Einsatz im maritimen Umfeld sind auch für Binnenstaaten nötig, gerade wenn er über viele Binnengewässer und Flüsse verfügt. Das Jagdkommando der österreichischen Streitkräfte verfügt über eigene Kampfschwimmer, auch um durch die Kombination aus Lufttransport und Nutzung von n eine Reichweitensteigerung zu erreichen, wie ein Kampftaucher im unten stehenden Video anmerkt.
Das Jagdkommando trainierte am 15. und 16. September das Abspringen aus einer C-130 Transportmaschine über Binnengewässern. Die folgende Video-Reportage zeigt Eindrücke einer älteren Übung am österreichischen Attersee.

Im folgenden Video des österreichischen Bundesheeres über das Jagdkommando sind die Taucher ebenfalls zu sehen.

Maritime Spezialoperationen: Naheliegende Bedrohungen und strategische Reichweite

Für die Seekriegsführung und für Spezialoperationen im maritimen Umfeld gilt, dass Gewässer einerseits ein Weg der Verbringung sind, andererseits auch den Einsatzraum darstellen. Die kombinierte Nutzung von Luft- und Seeräumen ist von für das schnelle Erreichen von Operationsgebieten von herausragender Bedeutung.
Die US-Streitkräfte verfügen aufgrund der Luftverlastbarkeit von Schnellbooten für ihre Spezialeinsatzkräfte über eine globale Reichweite im Krisenfall. Im folgenden – sehr sehenswerten – Video ist ein Fallschirmsprung einer der Unterstützungseinheiten der SEALs, der Special Boat Teams, der US Navy zu sehen, die mit ihren Spezialbooten aus einer Transportmaschine über dem Ozean abspringt.

In der Regel sind die Boote für die Spezialkräfte rund 20 Minuten nach dem Fallschirmabwurf über dem Meer ausgepackt und einsatzbereit. Das im Video wohl zu sehende Special Boat Team-20 ist auf diese Art der Verbringung spezialisiert.

Zwei Schnellboote verlassen die HNLMS Groningen, um ein Schiff abzufangen. Die Einheiten sind Teil der European Union Naval Force Somalia –Operation Atalanta. Bild: EUNAVFOR Somalia. Bildlizenz

Zwei Schnellboote verlassen die HNLMS Groningen, um ein Schiff abzufangen. Die Einheiten sind Teil der European Union Naval Force Somalia –Operation Atalanta. Bild: EUNAVFOR Somalia. Bildlizenz

Bedrohungsbilder und die Neuen aus Frankreich

Maritime Spezialeinsatzkräfte können bei verschiedensten Bedrohungs- und Einsatzlagen eingesetzt werden. In erster Linie handelt es sich um
– Anti-Piraterie-Einsätze
– Geiselbefreiungen (z.B. die Befreiungsaktion auf hoher See hier)
– Kampf gegen Schmuggler und Schleuser (s. folgendes Video der französischen Streitkräfte beim Abfangen eines vermeintlichen Drogenschmuggler-Bootes in der Karibik),
– Sichern und Einnehmen von Infrastrukturen auf hoher See wie z.B. Öl- oder Gasbohrplattformen (SEAL-Video einer Übung hier).
Im vergangenen Jahr konnten ägyptische Streitkräfte ein von IS-Terroristen gekapertes Marineschiff auf hoher See abfangen, das wohl israelische Förderanlagen im Mittelmeer angreifen wollte, wie die „Times of Israel“ hier berichtete. Die US Navy SEALs stürmten ebenfalls 2014 einen Tanker im Mittelmeer (K-ISOM-Meldung hier).

Die französische Marine hat im September eine neue Spezialeinheit der Öffentlichkeit präsentiert. Das Commando Ponchardier ist die 7. Einheit dieser Art in den französischen Streitkräften (s. K-ISOM-Meldung hier). Die Einheit soll nach Zeitungsberichten aus 150 Soldaten bestehen.

Der bei der feierlichen Indienststellung der Spezialeinheit anwesende Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian lächelte bei den Reporterfragen nach den Missionen dieser Einheit nur und verwies auf „Spezialmissionen“, wie man im nachfolgenden Video sehen und hören kann (ab Minute 0:55).

Das breite Fähigkeitsspektrum von Kampftauchern zeigt zum Beispiel das Video über die belgischen Spezialkräfte.

Advanced Amphibious 2014 from SFG.BE on Vimeo.

Unter der Wasseroberfläche, über der Leistungsgrenze: BUD/S

Kampftaucher der 20th Special Forces Group (Airborne) der Army National Guard beim Tauchgang vor der Küste der Marinebasis Mayport in Florida am 27. April 2015. Die Taucher müssen mindestens eine Tiefe von 70 Fuß (ca. 21 Meter) erreichen, um weiterhin ihre Einsatztauglichkeit nachzuweisen. Bild: National Guard/Staff Sgt. Adam Fischman

Kampftaucher der 20th Special Forces Group (Airborne) der Army National Guard beim Tauchgang vor der Küste der Marinebasis Mayport in Florida am 27. April 2015. Die Taucher müssen mindestens eine Tiefe von 70 Fuß (ca. 21 Meter) erreichen, um weiterhin ihre Einsatztauglichkeit nachzuweisen. Bild: National Guard/Staff Sgt. Adam Fischman

Die Auswahl und die Ausbildung maritimer Spezialeinheiten gehören zu den härtesten innerhalb der meisten Streitkräfte. Wer sich bei der Bundeswehr für die Kampfschwimmer bewerben möchte, muss neben dem Medizincheck weitere Sportprüfungen ablegen, zum Beispiel 5000 Meter unter 22 Minuten laufen, 1000 Meter unter 24 Minuten schwimmen, acht Klimmzüge im Ristgriff absolvieren oder 30 Meter eine Strecke tauchen (inklusive einer Wende).

Teil des Auswahlverfahrens bei den US Navy SEALs (mehr dazu hier) ist die „Höllenwoche“, in der die Soldaten über mehrere Tage bei einem gesamten Schlafpensum von ca. 5-6 Stunden an und über ihre Grenzen der physischen und psychischen Leistungsfähigkeit gebracht werden sollen. Die zwei folgenden Videos geben Eindrücke der Höllenwoche und des Parcours in Coronado, Kalifornien. Der Hindernis-Parcours in Coronado ist bei Google Maps gut zu erkennen.

Den Parcours am Strand kann man im folgenden Helmkamera-Video hautnah miterleben.

Die Höllenwoche ist nur ein Teil des BUD/S-Trainings, das für Basic Underwater Demolition/SEAL steht. Dass die SEALs nach einem erfolgreichen Auswahlprozess kontinuierlich auf hohem Leistungsniveau verbleiben müssen, zeigt sich an den ständigen Übungen. Angehörige des SEAL-Teams 2 trainieren im Rahmen der Übung Emerald Warrior 2015, über die K-ISOM hier berichtete, das Infiltrieren per Hubschrauber und Schlauchboot in der Nacht (s. Video).

Weite Eindrücke von Einsätzen im maritimen Umfeld finden sich in der folgenden Slideshow.

[ej]